Im Auftrag der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung hat Barbara Müller eine erste bundesweite Kooperation zum Internationalen Friedenstag organisiert. Darüber hinaus hat eine Finanzierung des Evangelischen Entwicklungsdienstes es dem IFGK ermöglicht, als Mitveranstalter wesentliche Teile der Veranstaltung verantwortlich zu übernehmen.

„Frieden stiften weltweit“
– Auftakt und Auftrag für den Internationalen Friedenstag
Bericht von der öffentlichen Veranstaltung im Bonner Kunstmuseum

„Heute findet erstmals dieser Schwerpunkt zum Internationalen Friedenstag hier in Bonn statt, das freut mich ganz besonders,“ begrüßte der Bürgermeister der Stadt Bonn, Helmut Joisten, die Anwesenden. „Um zu unterstützen, was die UN damit meint und mit Leben zu füllen, aber auch, um die lokale Friedensarbeit weltweit sichtbar zu machen“. Das Motto „Frieden stiften weltweit!“ brachte am 21. September 12 Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und Friedensarbeit und 60 Teilnehmende im Bonner Kunstmuseum zum ersten gemeinsamen Auftakt in Deutschland zusammen.

Martin Windfuhr, der Leiter des Menschenrechtsreferats im Diakonischen Werk der EKD, unterstrich die Zielsetzung des Tages. „Der Friedenstag – und so wollen wir ihn auch hier zelebrieren – gibt denjenigen Anerkennung, die sich in ihrer Gesellschaft, aber auch in anderen Ländern, unter sehr sehr riskanten Bedingungen dafür einsetzen, nach gewaltfreien Wegen zu suchen.“

Einer von denen, die in den Philippinen nach „anderen Wegen suchen“, ist Guiamel Alim von der Kadtuntaya-Stiftung. Er schilderte seine Motivation: „Mein halbes Leben lang war ich Zeuge der Gewalt in meinem Land, sogar schon, als ich noch zur Schule ging. Es war eigentlich logisch, dass ich mich gefragt habe, wie die Gewalt zu stoppen ist, diese hässliche Fratze des Krieges“. Guiamel Alim hat mit anderen geschafft, was unglaublich klingt. „Die Menschen hatten genug vom Krieg und suchten Auswege.“ Eine Idee war, dass Kampfhandlungen wenigstens auf dem Gebiet einzelner Gemeinden unterbleiben würden. „Es hatte viel damit zu tun, Menschen stark zu machen, und wir unterstützten sie dabei: Sie mussten ihre Situation verstehen. Sie mussten Vorstellungen darüber entwickeln, wie die Zukunft aussehen sollte. Sie mussten den Mut aufbringen, ihren Feinden gegenüberzutreten. Schließlich sind sie zu den Militärs gegangen und haben gesagt: Wir wollen unser Dorf zu einer Friedenszone erklären.“ Sie haben mit Militärs und Rebellen verhandelt, die das erst nicht wollten, sich aber dann überzeugen ließen. Viel Kreativität war dafür nötig, viel Verhandlungsgeschick wurde dabei entwickelt, unterstützt und begleitet von den Friedensstiftern.

Ute Hegener, die Sprecherin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, erinnerte daran, dass „Friedenstiften lebensgefährlich werden kann. Menschen, die sich ganz diesem Engagement verschreiben, werden verhaftet, nur wenn sie an diesem Tag eine Kerze anzünden und ins Fenster stellen, in Ländern wie Weißrussland und Tschetschenien“.

„Friedensarbeit zu machen, erfordert Leute, die vor Ort aktiv sind,“ betonte Florence Mpaayei von der Nairobi Peace Initiative Afrika aus Kenia. „Sie fuhr fort: „Es sind aber auch Leute nötig, die diese darin unterstützen. Für uns sind das Partner wie Brot für die Welt und andere, die sehr sehr hilfreich sind durch ihre Förderung, aber auch wenn es um die Verknüpfung mit Entscheidungsträgern geht. ...Zusammen sind wir in der Lage, Frieden in unserem Kontinent zu fördern.“

Diese Botschaft scheint angekommen. Mit Blick auf die kirchlichen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit wies Michael Windfuhr darauf hin, dass die Förderung von Friedensarbeit „einen größeren Stellenwert in unserer Arbeit bekommt, bis dahin, dass bestimmte Partner wie Guiamel Alim alle drei Organisationen fördern – es ist ein wichtiger Teil unserer Projektarbeit geworden.“

Ein beeindruckendes Bild von der Vielfältigkeit und der Tiefe der Friedensarbeit boten die Gäste in ihren Beiträgen. „Was ganz schnell vergessen wird, ist das, was in den Menschen bleibt. Wenn der äußere Frieden wiederhergestellt ist, läuft der Krieg in den Menschen weiter.“ Mit den nicht sichtbaren Wunden, die Krieg in den Seelen der Menschen anrichtet, beschäftigt sich Bosilkja Schedlich von der Stiftung „überbrücken“ intensiv seit 14 Jahren.

Frieden ist ein heißes Thema, so fasste die Künstlerin Lena Freimüller vom Netzwerk Peace In Action ihre Aktionen „Heisse Frieden“ im Vorfeld in der Stadt Bonn zusammen. In den Pausen zögerten die Anwesenden nicht, ihre Friedensqualitäten zu testen und sich mit weiteren Qualtiäten wie „Hartnäckigkeit“, „Humor“ und anderen auszustatten.

Die internationale Musikgruppe „Fulani“ setzte musikalisch Akzente. Am Nachmittag wurden die Begegnungen mit den Friedensstifterinnen und Friedensstiftern in kleinen Gesprächskreisen intensiv fortgesetzt.

„Lassen Sie uns an diesem Internationalen Friedenstag versprechen, Frieden nicht nur zu einer Priorität, sondern auch zu einer Leidenschaft zu machen.“ So hatte der Generalsekretär der Vereinten Nationen zum Gedenken an den Friedenstag aufgerufen, und auch Bürgermeister Joisten setzt auf Fortführung: „Ich würde mich freuen, wenn von Bonn aus mit der heutigen Veranstaltung ein kleiner Impuls dazu gegeben wird, um den 21. September, den Internationalen Friedenstag, aber auch die Arbeit der vielen lokalen Friedensinitiativen etwas mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.“ Dabei verwies er auf die besondere Eignung der UN-Stadt Bonn: „Die Stadt Bonn unterstützt diese Ziele gerne, weil hier ein dichtes Netzwerk von Organisationen ist, die sich mit Frieden und Entwicklung beschäftigen, ihren Sitz in Bonn haben, wie der Evangelische Entwicklungsdienst, das Forum Ziviler Friedensdienst, das Frauennetzwerk für Frieden oder das Netzwerk der Friedenskooperative. Aber auch Organisationen wie das Bonn International Center for Conversion, das weltweit als unabhängige gemeinnützige Einrichtung an der Umwidmung ehemals militärisch genutzter Ressourcen für zivile Aufgaben arbeitet oder das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, eine Denkfabrik der deutschen Entwicklungspolitik.“

Bilder von der Auftaktveranstaltung zum Internationalen Friedenstag in Bonn am 21.9.2007.

Barbara Müller (IFGK) erinnert an die Ausrufung eines regelmäßigen Internationalen Friedenstages am 21.9. durch die Vereinten Nationen am 7. September 2001.
Barbara Müller (IFGK) erinnert an die Ausrufung eines regelmäßigen Internationalen Friedenstages am 21.9. durch die Vereinten Nationen am 7. September 2001.

Martin Petry (Brot für die Welt), Ute Hegener (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung), Florence Mpaayei (Nairobi Peace Initiative), Guiamel Alim (Katuntaya Foundation), Bosiljka Schedlich (Stiftung Überbrücken) im Auditorium
Martin Petry (Brot für die Welt), Ute Hegener (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung), Florence Mpaayei (Nairobi Peace Initiative), Guiamel Alim (Katuntaya Foundation), Bosiljka Schedlich (Stiftung Überbrücken) im Auditorium

Die Musikgruppe Fulani aus Köln
Die Musikgruppe Fulani aus Köln

Die FriedensstifterInnen im Gespräch: v.l.n.r. Bosiljka Schedlich, Guiamel Alim, Florence Mpaayei, Barbara Müller
Die FriedensstifterInnen im Gespräch: v.l.n.r. Bosiljka Schedlich, Guiamel Alim, Florence Mpaayei, Barbara Müller

Die „Rolle des Gedenkens“ gibt den Opfern der Kriege einen Ort
Die „Rolle des Gedenkens“ gibt den Opfern der Kriege einen Ort

Die Aktionskünstlerin Lena Freimüller erläutert „Heisse Frieden"
Die Aktionskünstlerin Lena Freimüller erläutert „Heisse Frieden"