Gudrun Knittel

Gudrun Knittel – Trainerin für zivile Konfliktbearbeitung, Dipl. Sozialwissenschaftlerin, Jg. 60, Mitarbeiterin im Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK), seit 1991 tätig als Trainerin im Bereich konstruktive Konfliktbearbeitung, Abbau von Vorurteilen und Dialogprozessen. Seit 2005 selbständige Trainerin mit dem Schwerpunkt zivile Konfliktbearbeitung und Thérapie Sociale (Institut Charles Rozjman: www.therapie-sociale.com ).

Anschrift: Hackländerstr. 16, 50825 Köln, Tel. 0221/59 55 876, knittel.gudrun(at)gmx.de

 

Herausforderungen und Chancen für die Demokratie und das Zusammenleben

Ohnmacht, Angst und Perspektivlosigkeit führen zu Wut, Gewalt, Rassismus, Rechts- und Linksextremismus, Antisemitismus und zu einer Angst vor „dem Islam“, das Alte lässt sich nicht festhalten - das Neue verunsichert

Zu oft bleiben im Wohnumfeld, im Arbeitsleben und im Bildungsbereich die sozialen und ethnischen Gruppen unter sich, dort wo man sich sicher fühlt und seine Ruhe hat. In immer mehr Stadtteilen ziehen diejenigen weg, die es sich leisten können, und die Ärmeren, die ohne eine gute Arbeitsperspektive, bleiben zurück. Die beschleunigten Veränderungen im modernen Stadtbild, auch in ländlichen Ortschaften und in der Zusammensetzung der Bevölkerung wird von vielen Alteingesessenen als ein Verlust von Gewohntem, von Sicherheit und von sozialem Zusammenhalt erlebt. In den neu entstehenden Lebenswelten bleiben auch die Dazugezogenen häufig in ihren Kreisen und auf allen Seiten gibt es die Tendenz, sich ausschließlich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern und bei Problemen schnell nach Polizei und öffentlichen Diensten zu rufen, statt Dinge miteinander zu klären. Verharmlosung und Panikmache wechseln sich ab.

Im Zuge der Globalisierung verschwinden frühere Orientierungen und Sicherheiten, die Aussichten auf eine Integration über gut bezahlte Arbeitsstellen nimmt ab. Autoritäten, Frauen- und Männerrollen, Erziehungsvorstellungen und religiöse Glaubensselbst-verständlichkeiten unterliegen einem tiefgreifenden Wandel. Gleichzeitig sind die Ansprüche auf Wohlstand, individuelle Freiheit, Absicherung und Mitbestimmung gestiegen. Traditionelle soziale Regelungsmechanismen funktionieren in den sich verändernden Milieus immer weniger und die finanziellen Spielräume für eine kontinuierliche Kinder- und Jugendarbeit sowie für soziale Dienste in den Kommunen werden enger.

Um die gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam bewältigen und Konflikte konstruktiv bearbeitet zu können, sind Dialogprozesse mit allen notwendig. Bei Veranstaltungen z.B. zum Thema Schule, Moscheebau oder Gewalt bzw. Sicherheit im Stadtteil fehlen meist die bildungsfernen Kreise, die Jugendlichen mit schlechten Zukunftsaussichten und andere wichtige Gruppen, denen die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen zutiefst fremd ist. Zu den "Anderen" gibt es eher wenig Kontakt, besonders zu denen, die man für die eigenen Probleme verantwortlich macht, seien es „die Jugendlichen“, „die Ausländer“, „die Deutschen“, „die Rechten“, „die da oben“, „die Polizei“ oder „die Chaoten“. Bildung, berufliche Qualifikation, Sozialarbeit und Antiaggressions-trainings sind unter diesen Umständen zwar besonders wichtig, ändern aber wenig an Feindbildern, Sündenbockmechanismen oder den tieferliegenden Ursachen von Gewalt und Perspektivlosigkeit, genauso wenig, wie mehr Polizei, Überwachung und härtere Gesetze.

 

Ziele – Zielgruppen – Angebote

Das Ziel der Thérapie Sociale liegt darin, Menschen zu unterstützen, sich in heterogenen Gruppen aktiv zu beteiligen und gemeinsam ihr soziales Umfeld und ihre Institutionen so zu gestalten, dass eine konstruktive Kooperation langfristig erleichtert wird. Unterziele sind:

• Tieferes Verständnis für sich, die anderen und die Wechselwirkungen in Gruppen, im Gemeinwesen und in Institutionen

• Überwindung von Feindbildern und Berührungsängsten zur Verbesserung der Kontakt- und damit Kommunikations- und Konfliktfähigkeit

• Förderung der interkulturellen Kompetenz und der Fähigkeit in heterogenen Gruppen miteinander zu kooperieren

• Aufbau und Stärkung von Beziehungen und der Kooperation zwischen Jung und Alt, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und öffentlichen Diensten

• Größere Freiheit durch die Erweiterung von konstruktiven Handlungsoptionenund höhere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

 

Zielgruppen

Institutionen wie Stadtteileinrichtungen, Wohnungsgesellschaften, Kommunalverwaltungen, Schulen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, Wohlfahrtsorganisationen, Gewerkschaften, Vereine, Kirchen, Krankenhäuser u.a. mehr

 

Angebote für Fortbildungen und Interventionen

Konfliktberatung - Supervision – Mediation – Fortbildungen – Workshops – Vorträge – Durchführung von Thérapie Sociale Projekten, in denen Akteure der Stadtteilarbeit, BewohnerInnen, auch jugendliche, und VertreterInnen von Behörden einbezogen werden

 

Selbstverständnis und Arbeitsweise

Selbsthilfe-Potentiale durch eine entängstigende Arbeitsweise fördern

Besonders in der Anfangsphase der Thérapie Sociale geht es um die Beruhigung der Ängste. Sie können z.B. sein, bei öffentlichen Veranstaltungen nicht erwünscht zu sein und von den Anderen nicht ernst genommen, nicht anerkannt oder sogar verachtet zu werden. Die damit zusammenhängenden Widerstände, sich auf eine gemeinsame Arbeit in einer heterogenen Gruppe einzulassen, werden mit einer akzeptierenden Haltung von den Sozial-therapeutInnen aufgenommen und für alle Beteiligten verstehbar. Gemeinsam schafft die Gruppe einen geschützten Raum, in dem die Ängste ernst genommen und bearbeitet werden. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit vorhandene Vorurteile und Opferhaltungen abzubauen, Schwarz-Weiß-Bilder über diejenigen, die diese Ängste auslösen, und über sich selbst zu überwinden und einen Zugang zu den eigenen produktiven Gestaltungspotentialen für das Gemeinwesen zu finden.

Beziehungen untereinander aufbauen

Die Annäherung zwischen VertreterInnen von Gruppen und Institutionen mit unter-schiedlichen Ansichten, Interessen und Werten wird u.a. ermöglicht, indem erfahrungs- und prozessorientiert an Konflikten, Vorbehalten und Missverständnissen untereinander und im gemeinsamen Umfeld gearbeitet wird.

Im Vordergrund steht ein übergeordnetes Ziel, wie z.B. das Erarbeiten von Vorschlägen für den Stadtteil oder das Funktionieren einer Behörde, nicht die Veränderung der Einzelnen.

Grundlegende Prinzipien in der Haltung der SozialtherapeutInnen wie Empathie, Akzeptanz und Echtheit, Übungen aus der humanistischen Psychologie und Rollenspiele helfen den Beteiligten, einen besseren Kontakt zu sich selbst und den anderen zu entwickeln, weil die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auf neue Weise bewusst und ausgedrückt werden können. Eine systemische Sicht- und Vorgehensweise fördert darüber hinaus auch die Beziehungen zwischen den Hierarchieebenen, zwischen den Menschen an der Basis und den verantwortlichen EntscheidungsträgerInnen auf der Führungsebene.

Akzeptierende, systemische und TeilnehmerInnen-orientierte Arbeitsweise

Indem die TeilnehmerInnen die Ziele und Bedingungen der Zusammenarbeit selbst mitgestalten, verbessert sich die Möglichkeit, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jede Person ihre Sichtweise, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen kann und will. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Ängste und Zweifel ausreichend verstanden und beruhigt worden sind. Erst dann können die wahren Probleme angesprochen werden, auch wenn es mal Konflikte, Spannungen oder Unsicherheiten gibt. Die Kooperationsfähigkeit wird gestärkt und strahlt auf das soziale Umfeld aus.

Grundlegende Prinzipien in der Haltung der TS-ModeratorInnen wie Empathie, Akzeptanz und Echtheit, Übungen aus der humanistischen Psychologie und Rollenspiele helfen den Beteiligten, einen besseren Kontakt zu sich selbst und den anderen zu entwickeln, weil die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auf neue Weise bewusst und ausgedrückt werden können. Eine systemische Sicht- und Vorgehensweise fördert darüber hinaus auch die Beziehungen zwischen den Hierarchieebenen, zwischen den Menschen an der Basis und den verantwortlichen EntscheidungsträgerInnen auf der Führungsebene.

Autorität und Verantwortung reflektieren

Komplexe Problemlagen, veränderte Autoritäts- und Geschlechterrollen erfordern die kollektive Intelligenz aller Beteiligten und die Fähigkeit, den eigenen Anteil an Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen. Das bedeutet auch, zu akzeptieren, dass Konflikte und Auseinandersetzungen unvermeidbar sind und es deshalb notwendig ist, gemeinsam Wege zu finden, sie ohne Gewalt auszutragen.

Zirkulierende Information und Kollektive Intelligenz ermöglichen

Die Erwartungen an die Autoritäten, PolitikerInnen, die Institutionen oder sogenannte ExpertInnen von außen, einfache und schnelle Lösungen zu finden, weichen realistischeren Einschätzungen, wenn die vielfältigen Ohnmachtserfahrungen, Sichtweisen und gegen-seitigen Wechselwirkungen bewusster werden. Für die Betroffenen außerhalb wie innerhalb von Institutionen eröffnen sich neue Wege aus der Gewalt, die jenseits von mehr Polizeikontrolle, Abschreckung durch härtere Strafen und amtlichem Durchgreifen liegen.

Demokratie lebendig gestalten

Eine gelebte, glaubwürdige Demokratie erfordert eine inklusive Arbeitsweise, in der auch Andersdenkende, Marginalisierte und bildungsferne Gruppen mit ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Anliegen aktiv in demokratische Prozesse und Strukturen einbezogen werden. Die notwendigen Lernprozesse betreffen auch die Führungsebene und die Mitte der Gesellschaft.

Lösungen gemeinsam entwickeln

In der Thérapie Sociale werden vor allem Hilfestellungen und Impulse zur Kooperation gegeben, so dass die Betroffenen untereinander tragende Beziehungen aufbauen und gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln können, die ihrer Lebenswelt entsprechen.

 

Zu ihren Veröffentlichungen geht es hier.

 

Qualifikationen – Berufserfahrung

Friedens- und Konfliktforschung, Interkulturelle Pädagogik, Rassismus- forschung, Kommunikationspsychologie und Organisationsentwicklung

seit 1990            Diplom Sozialwissenschaftlerin, Gesamthochschule Duisburg, Thema der Diplomarbeit: Islam und Staatsideologie in Indonesien, ASA-Stipendium für drei Monate 1988: Islamische Frauenorganisationen in Indonesien

seit 1991            Trainerin im Bereich gewaltfreie und konstruktive Konfliktbearbeitung im Kölner Trainingskollektiv

1991-1993        Hauptamtliche Mitarbeiterin bei der Fördergemeinschaft Frieden e.V., Köln

1994-1995        Erstellung interkultureller Unterrichtsmaterialien zu Einwanderung, Flucht und Asyl in acht Sprachen, Institut für empirische Psychologie und Sozialforschung IFEP, Köln

seit 1997            Trainerin zum Abbau von Vorurteilen im National Coalition Building Institute, Leitung der Sektion Deutschland 1998

2000-2004        Ausbilderin im Bereich zivile Konfliktbearbeitung, Leitung von viermonatigen Qualifizierungsmaßnahmen beim Forum Ziviler Friedensdienst e.V., Bonn

seit 2005            Selbständige Trainerin für zivile Konfliktbearbeitung, Thérapie Sociale, Köln

seit 2006            Mitarbeiterin beim Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK), Wahlenau

2006-2007        Internationaler TrainerInnen-Austausch: Leitung eines 10-tägigen Trainings-kollektivetreffens 2006 (Moskau, Belgrad, Izmir, Kosovo, Köln), Mitautorin und Übersetzung der Publikation; Teilnahme am zweijährigen EU-Austausch-Programm „Adult Training on Conflict Management and Nonviolence“ ALPICOM mit VertreterInnen aus neun Ländern

2006-2009        Mitarbeit bei der Arbeitsgemeinschaft Religion und Integration ARI, u.a. beim Buchprojekt: Schritte zur Kultur des Miteinanders, ein Dialog über den Dialog, 2008 mit 34 Beiträgen aus verschiedenen Perspektiven

seit 2009           Mitarbeit im landesweiten Beratungsnetz für Angehörige von jungen Rechtsextremen, IDA NRW e.V.

seit 2012           Mitarbeit im Kölner Allerweltshaus, Bürgerfunk zu Menschenrechten, alleweltonair 

seit 2012           Mitarbeit bei der Zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser, ZIF in Bonn

seit 2013           Mitarbeit beim ForumZivilerFriedensdienst, Verwaltung und Finanzen, Köln

Zusatzqualifikationen

seit 1985           Aikido, Tai Chi, Chi Gong, Meditation

2001-2004        Thérapie Sociale nach Charles Rojzman, Vierjährige Ausbildung

2002-2003        Mediationsjahresausbildung beim Institut für Streitkultur Berlin

2006-2007        Kompetent im Konflikt -Transcend Jahresfortbildung, Ev. Akademie Iserlohn, in Zusammenarbeit mit Johan Galtung und der Fernuniversität Hagen

2007-2009        Personenzentrierte Gesprächsführung/ Beratung nach Carl Rogers, Zwei-Jahresausbildung, Gesell. für wiss. Gesprächspsychotherapie e.V. Köln

 

 

Zu den weiteren MitarbeiterInnen des IFGK:

Martin Arnold

Anne Dietrich

Reinhard Eismann

Albert Fuchs

Mirjam Mahler

Barbara Müller

Achim Schmitz

Christine Schweitzer

Roland Vogt